Gerade mal ein Jahr fotografiere ich nun Hochzeiten. Hättet Ihr mich vor zwei Jahren gefragt, ob ich Eure Hochzeit fotografieren mag, hätte ich Euch einen Vogel gezeigt. Hochzeiten waren für mich gruselig, langweilig und klischeebehaftet. Die fotografische Herausforderung habe ich eher gering eingeschätzt und so war ich der festen Überzeugung, dass es Perlen vor die Säue geworfen wäre, wenn ich Hochzeiten fotografiere.
Nun bin ich seit einem Jahr als Hochzeitsfotograf in Hamburg unterwegs und meine Denke hat sich komplett geändert, eine glatte 180° Kehrtwende. Getreu dem Motto “Was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern” finde ich nun, dass die Hochzeitsfotografie ein extrem spannendes, erfüllendes und lukratives Tätigkeitsfeld ist.
Aber noch einmal einen Schritt zurück. Mitte 2010 sass ich noch in der Dachkammer einer kleinen Hamburger Agentur. Der Job war gut bezahlt, die Kollegen waren nett, die Kunden waren tolle Referenzen. Trotzdem habe ich es gehasst. Ich lebte in einer Welt der amerikanischen Jobtitel (Head of …., Director von bla …, Leader irgendwas, C..3PO). Einer wichtiger als der andere. Im Grunde alles feine Menschen, aber sobald sie ihren Job machten, schlüpften sie in erbärmliche Rollen. Größer machen als man ist, Strategie, Taktik, Politik, Kohle scheffeln, Arsch retten. Man funktionierte im Dienste des Arbeitgebers und die Handlungen waren davon bestimmt, was mir den nächsten Schritt auf der Karriereleiter verschafft. Ich habe gut verdient, sehr gut, manch einer wird mit dem Kopf schütteln, wenn er sieht welches Jahreseinkommen ich hingeschmissen habe. Aber ich konnte es nicht mehr sehen, diese verlogene Welt.
Zu dem Zeitpunkt schrieb ich schon fleissig meinen Blog neunzehn72.de. Meine Erfahrungen in der Online-Branche ermöglichten mir über Werbung mit dem Blog Geld zu verdienen. Ausserdem fotografierte ich bereits viel und erarbeitete mir einen lukrativen Nebenverdienst mit Fotoworkshops. Damals, Mitte 2010, sass ich in der Dachkammer und merkte, dass ich mit dem Kopf nur noch bei der Fotografie war. Den ganzen Tag drehte sich in meinem Kopf alles um mein Blog, die Workshops und eben Fotografie.
Von da an ging es ganz schnell. Chef, ich hau in Sack. Ich werd jetzt Fotograf. Fragende Augen … Stille … Fotograf? Ja klar, für einen Karrieremenschen ist es unvorstellbar, dass man seinen tollen Titel (Head of irgendwas Consulting) gegen Fotograf tauscht. War mir egal, ich hatte keinen Bock mehr. Das Leben ist zu kurz um Dinge zu tun, die keinen Spaß machen. Ich hatte eine Leidenschaft und wollte die Ausleben.
Ich war also selbstständig und hatte plötzlich ganz viel Zeit. Plötzlich reifte der Gedanke Menschen zu fotografieren in mir. Bis dahin hatte ich wenig Menschen fotografiert. Plötzlich bekam ich aber Lust darauf und begann Portraits zu schiessen. Anfangs kostenlos um Erfahrungen und Material zu sammeln. Nach einer Weile gab man mir Geld für meine Fotos … unglaublich. Das machte Spaß. Plötzlich freuten sich Menschen über das was ich getan hatte. Sie freuten sich über meine Fotos. Das Feedback wurde zu Droge. So reifte der Gedanke mit der Hochzeitsfotografie. Doch mal probieren … kann man ja mal … ganz klein anfangen. OK, ich kann mich danach ja wieder verkrümeln, wenn es kacke ist.
Also zog ich los und suchte mir eine Hochzeit. Die kam nicht von alleine. Niemand im Freundeskreis wollte heiraten, so sehr ich sie auch darum bat. Ich trommelte also los “ICH FOTOGRAFIERE EURE HOCHZEIT …. KOSTENLOS … FÜR UMME”. Und so wurde mein Flehen erhört und es meldete sich ein Paar. Ich weiss nicht ob es damals Mitleid war, aber sie liessen sich auf den Deal ein. Ich fotografiere umsonst, dafür darf ich die Bilder verwenden und wir machen es auf meine Art.
Nach dieser Hochzeit war es um mich geschehen. Das Feedback des Paares gab mir so viel, dass ich mehr davon wollte. Zu dem Paar hatte ich ein freundschaftliches Verhältnis, so dass ich mir auf dem Fest wie ein Gast vorkam. Diese Dankbarkeit war vollkommen unbekannt, zumindest wenn ich es mit meinem alten Job vergleiche.
Ich stellte die online. Das war meine erste Hochzeit. Ich war mit dem Ergebnis selbst zufrieden, auch wenn ich heute vieles anders mache. Aber ich stehe zu dem was ich produziert habe. Phänomenal war jedoch, dass bereits wenige Tage später das Telefon klingelte und ich die erste Anfrage bekam. Die wollten sogar bezahlen dafür, dass ich ihre Hochzeit fotografiere. Von da an ging es Schlag auf Schlag. Toll. Ich war also Hochzeitsfotograf.














Danke für den Gast-Artikel, Paddy!
Deine Bilder sind der Hammer, Patrick! Echt eine tolle Geschichte. Ich finde es schön, dass es Leute wie dich gibt, die den Job an den Nagel hängen, um ihre Leidenschaft für etwas anderes auszuleben! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg. Vielleicht melde ich mich mal wegen einer Hochzeit
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